Die Zukunft des Agrobusiness und der Lebensmittelverarbeitung im Fokus


Die Ernährung einer ständig wachsenden Weltbevölkerung wird eine der großen Herausforderungen der Zukunft sein. Die Digitalisierung und Automatisierung der Prozesse, sowohl in der Landwirtschaft bei der Bodenbearbeitung, Aussaat und Ernte, als auch in der Viehzucht, werden maßgeblichen Anteil daran haben, die Produktivität zu steigern und die Qualität der Nahrungsmittel sicher zu stellen.

Die Anforderungen an die Nahrungs- und Lebensmittelindustrie steigen. Produktionsprozesse, Rückverfolgbarkeit, Nachhaltigkeit, Lebensmittelsicherheit sowie Umwelt- und Klimaverträglichkeit werden im Vordergrund stehen, um auch hier einen ständig steigenden Qualitätsanspruch beim Konsumenten zu befriedigen und internationalen Handelsrichtlinien und Standards gerecht zu werden.

Deutsche KMUs tragen einen wichtigen Anteil zu dieser Entwicklung bei und können bereits heutzutage das entsprechende Know-how und die notwendigen Technologien anbieten.

Viele Länder und Standorte, an denen es AHKs gibt und die durch land- und viehwirtschaftliche Aktivitäten geprägt sind, sowie über eine gut strukturierte Nahrungs- und Lebensmittelindustrie verfügen, sind genau auf diese neuen Technologien angewiesen, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden. Die Erfahrungen zeigen, dass sich die Interessen und Problemstellungen in diesen Ländern oft sehr ähneln.

Deutschen KMUs und Zulieferern von Technologien für die weiterverarbeitenden Industrie, und hier vor allem aus den Bereichen Lebensmittel und Verpackungen, soll mit dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) geförderten Projekt AgNet anhand von umfangreichen Informationen und maßgeschneiderten Dienstleistungen der Markteintritt in die entsprechenden Regionen erleichtert werden.

Deutschen Unternehmen bzw. Anbietern von Technologien stehen die Auslandshandelskammern aus dem Cluster AgNet nicht nur mit den traditionellen Dienstleistungen wie der Geschäftspartnervermittlung zur Verfügung, sondern bieten in enger Zusammenarbeit und mit Unterstützung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) eine Vielzahl von fachspezifischen Projekten an. Dies ermöglicht es, interessierten KMUs aus den Bereichen Lebensmittelverarbeitung und Agribusiness mit den folgenden Aktivitäten noch besser unterstützen zu können:  

•   Messebeteiligungen und Gemeinschaftsbeteiligungen als Netzwerk in den Zielregionen

•   Veröffentlichung von Broschüren bzw. Handbüchern, die die Markteintrittschancen in die Zielregionen zusammenfassen und über die Potenziale des Sektors in den entsprechenden Ländern informieren

•   Veranstaltung von Seminaren und Kooperationsbörsen in den Zielländern und in Deutschland

•   Organisation von Delegations- und Einkäuferreisen

•   Informationen zu Markteintrittsstrategien und eventuelle nichttarifäre Handelsschranken

•   Anfertigung von allgemeinem Informationsmaterial

•   Unterstützung bei der Identifizierung von potenziellen Geschäftspartnern und Organisation von individuellen Geschäftsreisen in die Zielländer

  • Argentinien
  • Brasilien - Rio Grande do Sul
  • Kolumbien
  • Paraguay
  • Uruguay
  • USA - Chicago

Argentinien

Offizielle AHK Webpage: www.ahkargentina.com.ar

Der argentinische Agrarsektor bewirtschaftet insgesamt über 150 Mio. Hektar Land. Dies entspricht fast 4,5 Mal der Fläche Deutschlands. Er trägt direkt zwar lediglich 7% zum Bruttoinlandsprodukt bei. Doch unter Einschluss der vor- und nachgeschalteten Wertschöpfungsketten sowie Zuliefern aus der Agrarchemie, Maschinenbau und Transportwirtschaft hängen rund ein Drittel aller Arbeitsplätze in Argentinien direkt oder indirekt von der Landwirtschaft ab. Nahrungsmittel und andere Agrarprodukte stellen allein zwei Drittel der argentinischen Gesamtausfuhr dar und sind insofern der wichtigste Wirtschaftszweig für die Generierung von Devisen: Nach Angaben der argentinischen Zentralbank waren dies etwa 28,8 Milliarden USD netto in 2018.

Hauptexportschlager des Landes sind u.a. Soja, Mais, Weizen, Zitronen, Erdnüsse und Honig.  Weitere Bereiche, die vermehrte Weiterverarbeitung erfordern, sind Öle, Marmeladen, Süßigkeiten sowie Wein und Bier.

Die Produktion roten Fleisches stieg 2019 um 3,3% gegenüber dem Vorjahr. Dieses bereits seit mehreren Jahren zu beobachtende Wachstum hat hauptsächlich mit der Rückgewinnung wichtiger Exportmärkte eingesetzt, die zuvor durch Restriktionen belastet waren. Im Jahr 2019 wurden 826.000 Tonnen Rindfleisch aus Argentinien exportiert und damit 53% mehr als im Jahr davor. Über 70% dieser Exporte wurden nach China geliefert mit Zuwachsraten von etwa 100% von Jahr zu Jahr. Wachstum, sowohl bei der Produktion als auch beim Export gab es auch im Bereich Schweinefleisch, wenn auch auf niedrigerem Niveau.

Im Bereich der Lebensmittelproduktion verfügt Argentinien über eine breit aufgestellte verarbeitende Industrie, die zu den Stützpfeilern der argentinischen Wirtschaft gehört, Devisen ins Land bringt und daher die Ressourcen hat, um in neue Technologien zu investieren. Die Lebensmittelbranche trägt aktuell bereits 4,6% zum BIP und 25% zur industriellen Wertschöpfung des Landes bei. Das Potential für eine Ausweitung dieser Produktion in diesem Bereich ist weiterhin groß. 

Die Herstellung und Verarbeitung von Milch gehört zu den wichtigsten Wertschöpfungsketten der argentinischen Lebensmittelindustrie und wird nur von der Soja-, Rindfleisch-, Mais- und Weizenproduktion übertroffen. Betrachtet man den Bruttoproduktionswert dieses Sektors, steht dieser sogar an dritter Stelle, direkt hinter dem des Soja- und Rindfleischsektors.

Bei der Herstellung von landwirtschaftlichen Maschinen ist Argentinien aufgrund des enormen Geschäftspotenzials der Landwirtschaft ebenfalls stark. Insbesondere die Produktion und der Verkauf von Traktoren und Mähdreschern erreichte in den letzten Jahren einen Umfang wie zuletzt vor gut 10 Jahren und wird auch zukünftig von den starken Zuwächsen der landwirtschaftlichen Produktion profitieren. Moderne Landmaschinen werden in einer Größenordnung zwischen 5.000 und 8.000 Stück hergestellt und auf dem lokalen Markt verkauft. Aktuell wird viel Kapital in die Entwicklung von Agrartechnologien (AgTech) investiert, um die Potentiale des Sektors noch besser auszuschöpfen. Die Zahl der Start-Ups in diesem Sektor ist groß und einige heben sich auch in anderen Märkten hervor.

Argentinien muss aber in die Effizienz der Produktion und dadurch in die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit durch Ausbau des Exportvolumens von Produkten mit höherem Mehrwert investieren. Hier verfügt Deutschland über das entsprechende Know-how und Potenzial, um sich in der Wertschöpfungskette VOR und NACH der landwirtschaftlichen Produktion zu positionieren, und zwar mit:

  1. Lösungen aus der Biotechnologie: Genetische Entwicklung zur Verbesserung landwirtschaftlicher Produkte, um diese ökologischer und nachhaltiger zu gestalten und damit anspruchsvollere internationale Märkte bedienen zu können.
  2. Lösungen für die Weiterverarbeitung: Effizientere, nachhaltige Technologien zur Verbesserung der Lebensmittelproduktionsprozesse, um Abfälle wiederzuverwenden, Energie zu sparen, Prozesse zu beschleunigen und Zertifizierungen zu erreichen.

Brasilien - Rio Grande do Sul

Offizielle AHK Webpage: www.ahkrs.com.br

Brasilien ist das größte Land Lateinamerikas und das sechstgrößte der Welt mit einer
Gesamtfläche von 8,52 Millionen km2 und einer Bevölkerung von rund 217,24 Millionen
Menschen. Das brasilianische BIP belief sich im Jahr 2021 auf 1,608 Billionen US-Dollar, was
einem Anstieg von 4,6 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Landwirtschaft und Viehzucht
machen 10 % des BIP aus. Im 4. Quartal 2021 erwirtschaftete sie 15,6 Millionen Dollar.

Das Land hat die weltweit größte Produktion und den größten Export von Orangensaft, die
drittgrößte Produktion und den größten Export von Sojabohnenöl und die sechstgrößte
Produktion von Tomatenfleisch. Im Jahr 2021 konnte Brasilien seine Position als wichtigster
Produzent und Exporteur von Sojabohnen in der Welt festigen, nachdem es Rekorde bei der
Produktion, der Anbaufläche und dem Durchschnittsertrag erzielt hatte. Weizen war eine
weitere Kulturpflanze, die mit einem Wachstum von 24,1 % einen Produktionsrekord erzielte.
Die Anbaufläche für die Ernte 2021 betrug 86,7 Millionen Hektar. Brasilien ist auch weltweit
der wichtigste Erzeuger von Zucker, Kaffee und steht im Ranking bei Rindfleisch und
Hühnerfleisch auf Platz zwei und bei Mais, Sojaschrot, Baumwolle und Schweinefleisch in der
Top vier. Der brasilianische Viehbestand ist auf 224,6 Millionen Tiere angewachsen.

Brasilien ist weltweit einer der größten Nahrungsmittelproduzenten, der genug produziert, um
den eigenen Bedarf zu decken, und trotzdem in großen Mengen exportiert. Gern bezeichnet
man Brasilien auch als Kornkammer der Welt, die allein in der Lage wäre, mehr als eine
Milliarde Menschen zu ernähren. Zwischen Juni 2021 und Juni 2022 stieg das Exportvolumen
um 2,3 % und die Dollar-Transaktionen um 24,8 %. Unter den wichtigsten Exportprodukten
verzeichnete Sojabohnenöl einen Anstieg des Exportvolumens um 65%, Sojabohnenmehl um
28,4% und Sojabohnen um 8%. Daneben verzeichneten auch frisches Rindfleisch, Mais,
Zellulose und Hühnerfleisch einen Anstieg.

Hochwertige Böden, große Anbauflächen und modernste Technik sorgen für qualitativ
hochwertige Produkte. Es ist erwähnenswert, dass die landwirtschaftliche Produktivität in den
kommenden Jahren steigen soll, da Experten erwarten, dass die weltweite
Nahrungsmittelproduktion in zehn Jahren um 20 % steigen muss, um den gesamten Planeten
ernähren zu können. Und dafür muss Brasilien seine Produktion um 40 % steigern. Zu den
beobachteten Trends gehören die Verringerung der Zahl der beschäftigten Arbeitskräfte und
der bewirtschafteten Fläche aufgrund von Produktivitätssteigerungen bei den Anbauflächen
sowie die Zunahme des Kapitaleinsatzes. Verschiedene Studien prognostizieren auch eine
Zunahme der Verwendung von Soja und Mais für die Herstellung von Biokraftstoffen, die
durch den Verkehrssektor und wachsende Umweltbedenken unterstützt wird, sowie eine
Steigerung des Anbaus von Baumwolle und Obst. Auch die Produktivität des Viehbestands
hat zugenommen, und die Wachstumsprognosen sind weiterhin positiv. Brasilien ist zwar auch
im Bereich Landtechnik einer der wichtigsten Hersteller weltweit, mit der Präsenz von
zahlreichen Global-Playern, die vor Ort produzieren, jedoch ist man bei High-Tech Produkten
oft noch vom Import abhängig. Mit über 60% der gesamten brasilianischen Herstellung von
Landtechnik steht das südlichste Bundesland Rio Grande do Sul klar an der Spitze. Hier finden
auch zwei der wichtigsten Landwirtschaftsmesse auf dem südamerikanischen Subkontinent
statt.

Die größte Herausforderung für die brasilianische Agrarindustrie sind die so genannten
“Brasilien-Kosten” (Custo Brasil), die auf Infrastruktur- und Logistikprobleme zurückzuführen
sind, wie das Fehlen und der schlechte Zustand von Straßen, Eisenbahnen und Häfen. Die
“Brasilien-Kosten” verursachen hohe Verluste an frischen Lebensmitteln und Verzögerungen
bei der Verschiffung der Produktion ins Ausland. Diese Faktoren erhöhen die Fracht- und
Versicherungspreise, was zu teureren Produkten sowohl für den Export als auch für den
Inlandsverbrauch führt. Daher gibt es in diesem Bereich Raum für Investitionen, insbesondere
für Kühltransporttechnologien.

Obwohl sich die vor allem die großen Betriebe in der Lebensmittelindustrie in Brasilien schon
gut auf die Zukunft vorbereitet haben, besteht hauptsächlich in den mittleren und kleineren
Unternehmen ein enormes Absatzpotenzial an Verarbeitungs- und Verpackungsmaschinen,
Automatisierung und Digitalisierung. Die Unternehmen suchen nach einem besseren Zugang
zu Lösungen, die eine optimierte Produktion mit geringeren Kosten und weniger Abfall sowie
eine höhere Energieeffizienz ermöglichen. Auch in der Produktionskette gibt es Forderungen
des Sektors, die Nutzungsdauer von Rohstoffen zu verlängern, den Transport zu verbessern
und Hygiene und Qualität zu kontrollieren. Es gibt auch Möglichkeiten für
Verpackungstechnologien, die für den modernen Verbraucher geeignet sind und eine größere
Zweckmäßigkeit und Bequemlichkeit bieten.

Kolumbien

Offizielle AHK Webpage: www.ahk-colombia.com

Kolumbien ist ein Land voller Möglichkeiten und fantastischen Landschaften. Traditionell spielt eben dort die Agrarwirtschaft eine besonders wichtige Rolle. Nach offiziellen Angaben der nationalen Regierung gibt es 40 Millionen Hektar für die Nahrungsmittelproduktion, von denen nur 7,6 Millionen kultiviert werden. Daraus offenbart sich das enorme Entwicklungspotenzial Kolumbiens, welches auch von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erkannt wird. Demzufolge wird sich Kolumbien bis 2030 zu einem der sieben wichtigsten Länder entwickeln, welche die Welternährung absichert.

Die Branche verfestigte ihre Marktposition weiter mit starken Wachstumsraten in zwei aufeinander folgenden Jahren, die höher waren als die des Gesamtwirtschaftswachstum des Landes. Die Herstellung von Lebensmittelprodukten (ohne die Produktion von Fetten, Ölen, Zucker und Panela aus den DANE-Berechnungen) wuchs im Jahr 2019 real um 4,4%. Mit Ausnahme der Herstellung von Konserven und Gewürzen, die um 2% zurückging, lagen die anderen Gruppen im positiven Bereich.

Hervorzuheben ist die Zunahme der Produktion von Getreideprodukten (+7%) und der Produktion von verarbeitetem Fleisch und Fisch (+6%). Die Stärkung des Konsums und die venezolanische Migration waren einige der Faktoren, die im letzten Jahr eine Beschleunigung der Nachfrage in diesem Sektor ermöglichten (2,3 Prozentpunkte im Vergleich zum Durchschnitt der letzten drei Jahre). Die Exporte aus diesem kolumbianischen Sektor konzentrieren sich ihrerseits weiterhin zu mehr als 80% auf den amerikanischen Kontinent in Produkten wie Süßwaren, Schokolade, Getreide, Backwaren, Konserven und Gewürze. Im Allgemeinen hat der Anstieg des Wechselkurses (infolge des Rückgangs der Ölpreise und der Unsicherheit über das Coronavirus in der globalen und nationalen Wirtschaft) die Exporte in die Vereinigten Staaten begünstigt (8% Wachstum im Jahr 2019), aber im Falle Lateinamerikas haben sich die Exporte aufgrund der schlechten Wirtschaftsleistung dieser Region verlangsamt.

Somit setzt die kolumbianische Lebensmittelindustrie auch dieses Jahr ihren Wachstumskurs fort und stützt ihre Strategien auf Aktionen, die sich positiv auf Unternehmen und Verbraucher auswirken, sowie auf die Annahme von Entwicklungs-, Innovations- und Technisierungsprogrammen. Der Sektor steht auch vor der Herausforderung, den Bedürfnissen eines neuen, bewussteren Verbrauchers gerecht zu werden, der nach mehr Praktikabilität und Sorgfalt für seine Gesundheit und sein Wohlbefinden sucht. Dies wiederum stellt eine Gelegenheit dar, die heutige Industrie umzugestalten und zu erneuern.

Die jahrzehntelangen Konflikte zwischen der kolumbianischen Regierung, Guerilla und Paramilitärs hat einige Regionen, die bestens für den Agrarsektor geeignet wären, von nahezu jeglicher wirtschaftlichen Aktivität ausgeschlossen. Dank des Friedensabkommens hat sich die Sicherheitslage inzwischen normalisiert und ist heute in den meisten Teilen des Landes kein Hindernis mehr für die Agrarindustrie. 

Der kolumbianischen Regierung schwebt eine Agroindustrie in großem Stil nach brasilianischem oder argentinischem Vorbild vor. Um die Infrastruktur gerade auch in den ländlichen Gegenden zu verbessern und somit die Transportkosten zu senken, werden in Kolumbien derzeit im Zuge des Programms "Vierte Generation" rund 70 Milliarden US$ für die Entwicklung des ländlichen Raums ausgeben. In ihrem Vierjahresplan 2018-2022 setzt die Regierung außerdem einen Schwerpunkt auf die Erhöhung der Produktivität der Landwirtschaft durch technische Unterstützung der Landwirte und einen leichteren Kreditzugang.

Kolumbien ist ein attraktives Land für neue Investitionen in der Nahrungsmittelindustrie, sowohl für nationale als auch ausländische Unternehmen. Die Größe des Marktes, der sich nach Angaben der Marktberatungsagentur Euromonitor International im Jahr 2022 auf 25 Milliarden Dollar belaufen wird, gefolgt von guten Bedingungen für den Zugang zu Rohstoffen für die Lebensmittelproduktion, sowohl frisch als auch verarbeitet, sowie der strategischen Lage des Landes in Bezug auf die Märkte Süd-, Mittel- und Nordamerika, Asien und Europa sind zahlreiche positive Faktoren gegeben, sodass einer fruchtbaren Zusammenarbeit nichts mehr im Wege steht.

Aus aktuellem Anlass:

Im Zuge der Covid-19-Pandemie blieb auch Kolumbien nicht unverschont, trotz schneller Reaktionen des Staates. In Bezug auf den Agrarsektor sind jedoch keine negativen Auswirkungen zu erwarten, sondern im Gegenteil eher positive Entwicklungen. Die nationale Regierung hatte bereits frühzeitig angekündigt, dass sie 1 Milliarde US$ für kurzfristig benötigte Kredite zur Verfügung stellen würde, die ihrerseits Zinssätze von -1% aufweisen. Dies soll die kontinuierliche Versorgung des Landes mit Nahrungsmitteln sicherstellen und dazu beitragen, die potenziellen Verluste der Bauern aufgrund des hohen Dollarkurses zu mindern.

Paraguay

Offizielle AHK Webpage: www.paraguay

Die Wirtschaft Paraguays basiert traditionell auf der Produktion von Primärgütern,
insbesondere durch Landwirtschaft und Viehzucht. Das Land verfügt über einen
prosperierenden Handelssektor, in dem der Export von Produkten wie Sojabohnen, Getreide
und Rindfleisch sowie die Produktion und der Export von grüner Energie die Hauptgrundlage
der Wirtschaft des Landes bilden. Paraguay verfügt auch über eine wachsende industrielle
Produktion von nicht-traditionellen Produkten wie Chiasamen, Rinderfett und Holzplatten
sowie von agroindustriellen Produkten.

Die Ausfuhren von Nahrungsmitteln sind eine der wichtigsten Deviseneinnahmequellen des
Landes. In diesem Sinne entfielen 2021 fast zwei Drittel des Gesamtwerts der Ausfuhren auf
Primärerzeugnisse und Fertigwaren landwirtschaftlichen Ursprungs. Es ist erwähnenswert,
dass die bedeutende nationale Produktion dank der Eigenschaften des Bodens möglich ist,
insbesondere im Südosten des Landes, der ideale Bedingungen der Fruchtbarkeit für die
Landwirtschaft hat. Außerdem ist der paraguayische Chaco eine Schwemmlandebene mit einer
fast durchgängig flachen Topografie, die sich für die Viehzucht eignet.

Derzeit werden 3.565.000 ha Sojabohnen, 1.085.005 ha Mais, 485.000 ha Weizen, 188.000 ha
Maniok, 162.000 ha Reis, 103.000 ha Zuckerrohr, 72.800 ha Bohnen, 40.000 ha Rapssamen,
31.040 ha Sorghum, 28.000 ha Sonnenblumenkerne, 25.000 ha Erdnüsse und 25.200 ha Yerba
Mate angebaut. In der Viehwirtschaft gibt es im Land mehr als 150.000 Rinderherden mit rund
19 Millionen Stück Vieh, was mehr als 2 Stück Vieh pro Einwohner bedeutet. Dieses Szenario
ermöglicht es dem Land, einen komparativen Vorteil in der Agrar- und

Nahrungsmittelproduktion zu haben, mit einem großen Potenzial, einen größeren Mehrwert in
seine Produktion einzubringen. In den letzten Jahren hat das Land eine dynamische Wirtschaft
entwickelt, die von seinen natürlichen und menschlichen Ressourcen und einer raschen
Verstädterung bestimmt wird, die auch durch die Umwandlung und Diversifizierung der
Produktionsstruktur des Landes und die gute Leistung des Agrarsektors verstärkt wurde. Die
lokale Produktion erreichte neue Märkte und diversifizierte sich.

Diese Ausweitung der Märkte für paraguayische Produkte führt nicht nur zu einem Anstieg der
Exporte und Deviseneinnahmen, sondern auch zu einer Steigerung der Produktion und der
Einführung neuer Technologien in diesem Sektor. In diesem Sinne besteht die große
Herausforderung für das Land darin, die Aussaat- und Weideflächen besser zu nutzen und die
Produktivität von Ackerbau und Viehzucht zu steigern, wobei die besten Verfahrensweisen für
eine nachhaltige Pflanzen- und Viehzucht berücksichtigt werden müssen. Die Übernahme
innovativer Technologien und Praktiken durch die Erzeuger ist der wichtigste Faktor für die
Steigerung der Erträge, die Erhöhung des Einkommens, die effizientere Nutzung von
Betriebsmitteln, die Einführung neuer Produktionssysteme, die Erhaltung der natürlichen
Ressourcen und die Anpassung an den Klimawandel.

Im Bereich der Nahrungsmittel stärkt Paraguay die Rolle der Institutionen, die für die
menschliche Ernährung und die Lebensmittelsicherheit zuständig sind. Daher wird die
Einführung modernster Technologien und die Entwicklung bei der Registrierung von
Lebensmittelbetrieben und -erzeugnissen mit Personalressourcen und Laboratorien, die den
besten Praktiken entsprechen, sehr effektiv sein.

Lebensmittelverarbeitende Betriebe wie Fleischverarbeitungsbetriebe, Mehlmühlen,
Getränke- und Kekshersteller setzen ebenfalls modernste Technologien ein, um hauptsächlich
für den Export zu produzieren. Das Land ist zweifellos ein kleiner Markt, aber er könnte für
deutsche Unternehmen interessant sein, die eine Marktnische suchen, in der es eine gewisse
Affinität und Wertschätzung für deutsche Produkte gibt.

Uruguay

Offizielle AHK Webpage: www.uruguay.ahk.de/de

Die Agrarwirtschaft spielt schon immer eine bedeutende Rolle für das kleine Land am Río de
la Plata, welches insgesamt vier Mal so viele Kühe wie Einwohner beherbergt. Rund 30 Mio.
Menschen versorgt Uruguay mit Lebensmitteln und verfolgt dabei das mittelfristige Ziel
diese Zahl auf 50 Mio. Menschen anzuheben. Fast 90% der Oberfläche Uruguays, d.h. rund
16,4 Mio. Hektar, sind für landwirtschaftliche Zwecke nutzbar. Der Agrarsektor produziert
ebenfalls die exportstärksten Güter Uruguays, allen voran Rindfleisch, gefolgt von Zellulose,
Soja und Milchprodukten. Rund 85% der Exportgüter entstammen so der Land- und
Ernährungswirtschaft, welche wiederum mit einem Gesamtanteil von 12% zum BIP beiträgt.

Die Produkte der uruguayischen Agrarwirtschaft zeichnen sich dabei durch ihre exzellente
Qualität aus. Für Rindfleisch, Geflügelfleisch, Honig, Zitrusfrüchten und im Weinbau wird bereits
seit 1973 das System der „Trazabildad“ angewendet, dass die Rückverfolgbarkeit der gesamten
Produktionskette ermöglicht.

Die Rinderzucht gehört zu den wichtigsten Wirtschaftssektoren Uruguays. Aufgrund der
ganzjährigen Freilufthaltung und der Fütterung auf saftigen, grünen Weiden ist das Tierfleisch
qualitativ hochwertig und sehr nahrhaft. Zudem ist es magerer als Fleisch aus der Stallhaltung
und besitzt einen unverwechselbaren Geschmack. Exportiert wird in etwas 50 Länder, was
Uruguay als einen der 10 Hauptexporteure von Rindfleisch weltweit positioniert. Besonders
hervorzuheben ist die einhundertprozentige Nachverfolgbarkeit der Fleischherkunft, wodurch
die herausragende Qualität gewährleistet wird. Uruguay verfügt über die einzigartige Kapazität,
die gesamte Produktionskette des Fleisches- vom Geburtstort des Tieres bis zum Teller- online
unter Rückgriff auf Datensammlungen und Informationssysteme nachverfolgen zu können. Dies
umfasst Angaben über das Gebiet, den Betrieb und das Rind (Alter, Geschlecht, Rasse), von dem
Fleisch stammt. Aufgrund höherer Exportpreise und -mengen hatte das Produkt Rindfleisch 2021
die größten Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum Uruguays.

Dank der exzellenten geografischen Lage, welche Weidehaltung unter freiem Himmel
ermöglicht, bietet Uruguay natürliche Bedingungen, um qualitativ hochwertige
Milchprodukte herzustellen. Dies führt dazu, dass uruguayische Milch frei von Spuren von
Hormonen oder Antibiotika ist. In den Jahren 1975 bis 2013 stieg die Milchproduktion
ununterbrochen kontinuierlich an. Mit einer Zunahme von 5,5% gegenüber dem Vorjahr
erzielte Uruguay mit einer Produktion von rund 2,2 Mrd. Litern Milch im Jahr 2020 einen
historischen Rekord. 230 Liter Milch konsumiert ein Uruguayer im Schnitt im Jahr, was das Land
zu einem der größten Milchkonsumenten pro Kopf in Lateinamerika macht und einen großen
internen Markt für die Milchwirtschaft bietet. Dennoch wurden in 2020 rund 76% der jährlichen
Produktion exportiert. Die größten Importeure uruguayischer Milchprodukte waren 2020
Algerien (228,4 Mio. USD), Brasilien (173 Mio. USD) und China (62,3 Mio. USD). Der
durchschnittliche Exportpreis erreichte ein historisches Hoch im Jahr 2014 von USD 3.906 pro
Tonne. Allerdings fallen die Preise als Reaktion auf die Produktionszunahme der
Hauptexportländer, insbesondere der Europäischen Union - sowie der gesunkenen Nachfrage in
China. Die bedeutendsten Produkte der Milchwirtschaft sind Milchpulver (54%), Käse (22%) und
Butter (8%). Im Jahr 2020 exportierte Uruguay Milchprodukte im Wert von insgesamt 692 Mio.
USD, was einen Anstieg von 6% gegenüber dem Vorjahr darstellt.

Allerdings stammen nicht alle der wichtigsten uruguayischen Nahrungsmittel aus der
Viehhaltung. Uruguay positioniert sich unter den 6 größten Sojaexporteuren der Welt und
gilt somit als die bedeutendste Ackerkulturpflanze Uruguays. Der Anbau von Soja gewann in
Uruguay aufgrund der von China ausgehenden weltweiten Nachfrage zunehmend an Bedeutung.
Seit der Ernte 2003/04 wird der größte Teil der Anbaufläche des Landes (aktuell mehr als 58 %)
mit Ölsaat bewirtschaftet. In der Anbauperiode 2020/21 wurden insgesamt 1,7 Mio. Tonnen Soja
erwirtschaftet. Die Exporterlöse beliefen sich auf insgesamt 766 Mio. USD. Davon gingen 69% bis
Ende November 2020 an China, gefolgt von Ägypten mit rund 16%.

Während es sich bei den meisten uruguayischen Exportprodukten um Commodities aus dem
Agrarsektor handelt, ist die Produktion, Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln
ebenfalls ein relevanter Wirtschaftssektor des Landes. Dies spiegelt sich in den von der
uruguayischen Zentralbank veröffentlichten Zahlen wider, nach denen die industrielle
Verarbeitung von Lebensmitteln, Getränke und Tabak 2018 5,3 % des BIPs ausmachte.

Der Index für Investition in Maschinen und Ausrüstung (IMEQ) der Industriekammer Uruguays
(CIU) zeigte im ersten Trimester 2021 einen Anstieg von 53,3% im Vergleich zum Vorjahr.
Allerdings ist anzumerken, dass sich die Investitionen aufgrund der im ersten Quartal 2020
entstandenen Covid-19 Pandemie verschlechterten. Der Rückgang der Investition beläuft sich
ohne Unregelmäßigkeiten auf 9,2%. Jedoch wurden noch im Zeitraum von Januar bis Mai 2020
Maschinen und Geräte für die Lebensmittelverarbeitung im Wert von 4,8 Mio. USD importiert,
191.107 USD waren Maschinen deutscher Herkunft. 2019 wurden insgesamt
Lebensmittelverarbeitungsmaschinen im Wert von 16,8 Mio. USD importiert, davon 2,95 Mio.
USD für Maschinen deutscher Herkunft. Im Bereich der Lebensmittelverpackung wurden im Jahr
2019 Maschinen und Geräte für das Befüllen, Verschließen und Etikettieren von Flaschen, Dosen,
Kisten Tüten und Säcke im Wert von 7,3 Mio. USD importiert.

Für deutsche Unternehmen ergeben sich neue Geschäftsmöglichkeiten vor allem im Rahmen des
in 2019 unterzeichneten EU-Mercosur-Abkommens, das sich derzeit im Ratifizierungsprozess
befindet. Die EU ist der erste große Handelspartner, mit dem der Mercosur ein solches
Freihandelsabkommen beschließt, weshalb die EU-Unternehmen im Vergleich zu ihren
Wettbewerbern aus anderen Ländern außerhalb Lateinamerikas einen privilegierteren
Marktzugang bekommen könnten.

Mit dem Abkommen wird zudem ein großer Teil der Zölle auf Einfuhren von Industrieprodukten
aus der EU in den Mercosur wegfallen. Relevant für die Lebensmittelindustrie ist insbesondere
der Abbau der bisher hohen Zölle auf Maschinen von zwischen 14 und 20 Prozent, durch den die
EU- Exporte dieser Produkte in den Mercosur-Raum künftig angekurbelt werden könnten.

USA - Chicago

AHK USA – Chicago

Offizielle AHK Webpage: www.gaccmidwest.org

Die Landwirtschaft spielt in der USA seit jeher eine elementare Rolle. Landwirtschaft,
Nahrungsmittel und damit verbundene Industriezweige erwirtschafteten über 1,05 Bio. USD
in 2020 (zuletzt erhältliche Zahlen). Davon machen Erzeugnisse von landwirtschaftlichen
Betrieben 134,7 Mrd. USD aus und sorgen somit für ca. 0,6% des Bruttoinlandsproduktes
(BIP). Ca. 10,3% aller Arbeitnehmer in den USA (19,7 Mio. Menschen) sind in der
Landwirtschaft und damit verbundenen Industriezweigen beschäftigt.

In den 48 Festland-Staaten der USA existieren über 2 Mio. landwirtschaftliche Betriebe. Wie
auch in Deutschland ist die Zahl schrumpfend und es findet eine Intensivierung der
bestehenden Betriebe statt. Mit einer durchschnittlichen Größe von ca. 180 ha sind die
einzelnen Farmen groß - Tendenz steigend (Vergleich Deutschland: 66 ha). Der US-
amerikanische Viehbestand beläuft sich auf 9,6 Mrd. Geflügel, 94 Mio. Rinder und über 70
Mio. Schweine (2017, letzte verfügbare Zahlen).

Die USA weisen aufgrund ihrer geographischen Lage und beträchtlichen Landesfläche von
9.826.675 km² (ca. 17x die Fläche Deutschlands) diversifizierte Anbaugebiete auf. Die
sogenannten „Agricultural Belts“ oder landwirtschaftlichen Gürtel sind über das Land
verteilt, wobei die ertragreichsten Regionen im Mittleren Westen und an den Küsten liegen.
Landwirtschaftlich bedeutende Regionen sind der Baumwoll-, Mais-, Weizen- und
Heugürtel. Von der gesamten Landesfläche werden 35% als Weide-, 28% als Forst- und
21% als Ackerland genutzt. Die USA sind der weltweit größte Produzent von Mais und
Sojabohnen, die meisten davon genmodifiziert.

Nach der EU sind die USA weltweit der zweitgrößte Händler von Agrarerzeugnissen.
Jährlich importiert das Land 15% seines Bedarfs an Lebensmitteln mit einem Wert von ca.
129 Mrd. USD. Der größte Agrarimporteur nach Importwert in die USA ist Mexiko und liefert
hauptsächlich Obst und Gemüse. Es folgen die EU und Kanada. Dem Import stehen die
höheren Exporte im Wert von 140 Mrd. USD gegenüber. Hierbei sind Getreide und
Futtermittel die Hauptexportgüter und finden ihren Hauptabnehmer in Mexiko gefolgt von
der EU und Japan.

Die Hauptimporte aus Deutschland sind veredelte Lebensmittel wie Spirituosen und
Spezialitäten, v.a. Kaffee und Süßigkeiten (1,8 Mrd. USD). Exporte aus USA nach
Deutschland (1,7 Mrd. USD) sind v.a. Sojabohnen, Baumnüsse, Alaska-Seelachs, Wein,
Rindfleisch und andere verbraucherorientierte Produkte.

Die USA weisen außerdem einen großen Markt für landwirtschaftlich genutzte Maschinen
auf. Die USA machen ¼ des weltweiten globalen Maschinenmarktes aus wobei
Agrartechnologien und Landmaschinen jährlich 32,8 Mrd. USD umsetzen. Internationale
Marktführer wie AGCO und Deere and Company sind US-amerikanische Unternehmen und
treiben globale Agrartrends und -innovationen voran.
Die Handels- und Investitionsbeziehungen zwischen der EU und den USA bleiben trotz der
wirtschaftlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie stark.

Obwohl die USA der größte Handelspartner der EU sind, gibt es kein spezielles
Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Dennoch hat der transatlantische
Handel nach wie vor einen der niedrigsten Durchschnittszölle (unter 3 %) der Welt, der
durch die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) bestimmt wird. Andererseits
unterzeichneten die USA ein Abkommen mit Mexiko und Kanada, das USMCA (United
States Mexico Canada Agreement), das ebenfalls den Handel mit landwirtschaftlichen
Gütern vereinfachen soll (Nachfolger der NAFTA).

Global Cluster AgNet